Fabio Andina. Tage mit Felice, ein wunderbares Buch aus dem Rotpunktverlag

Felice, der Bergler von Leontica, vor kurzem 90 Jahre alt geworden, steigt auch im Spätherbst jeden Tag am frühen Morgen von seinem Dorf zu einer Wassergumpe hinauf, um ein kaltes Bad zu nehmen. Der Ich-Erzähler, ein junger Mann aus der Stadt, der seit kurzem Felices Nachbar ist, geht mit. Er, der eine Auszeit im Bergdorf nimmt, hat den Alten gefragt, ob er ihn während einiger Tage begleiten dürfe. Felice sagt zu. Und so verbringen die beiden so unterschiedlichen Männer ihre Zeit zusammen. Sie absolvieren das Morgenritual, essen zusammen, trinken nicht wie die meisten anderen Dorfbewohner Wein oder Bier im Dorfrestaurant, sondern Tee und Wasser. Felice und sein Begleiter fahren gemächlich mit dem alten Suzuki, der regelmässig angeschoben werden muss, im Tal herum. Sie treffen Menschen, die Felice kennt, machen Besorgungen, essen manchmal in einer der Beizen in der Umgebung. Der Rhythmus der Tage ist konstant: Das frühe Frühstück, dann der morgendliche Aufstieg zum Wassertümpel, der von Tag zu Tag kälter wird und über Nacht eine Eisschicht bildet, die aufgeschlagen werden muss, um eintauchen zu können. Die Begegnungen mit der bunten Dorfgesellschaft auf dem Dorfplatz, im Laden, in den Gärten, an den Strassen variieren ständig. Felice birgt täglich neue Schätze fürs Abendessen: «Er geht in den Keller, ich höre ihn herumkramen, kommt mit Zwiebeln, Kartoffeln und Knoblauch wieder. Er wäscht die Kartoffeln, schält die Zwiebeln und den Knoblauch. Schneidet alles klein und bringt es zum Kochen. Dann geht er hinaus und kommt nach einer Minute mit einem Bündel Löwenzahnblättern in der Hand wieder herein, das er in den Topf wirft. Er schneidet Brot auf und legt es zum Rösten auf die Sarina. Mit vollem Bauch und vor Müdigkeit zufallenden Augen spüle ich die Teller. Felice belädt die Sarina und lässt die Klappe offen, setzt sich und sieht lange ins Feuer, der rote Widerschein flackert über sein Gesicht, das nur auf der Stirn und um die Augen herum ein wenig runzelig ist. Dann füllt er den Lochdeckeltopf mit heisser Glut und geht damit ins Schlafzimmer hinauf, kommt kurz darauf die Treppe wieder hinunter und putzt sich die Zähne. Ich sage ihm Gute Nacht und gehe nach Hause.»

Die Schilderungen des Alltags von Felice und seinem Begleiter, die Beobachtungen zum Leben im Dorf, die Bemerkungen des Alten zu den Veränderungen im Tal und auf der Welt, zogen mich von Anfang bis zum Ende in den Bann. Zum Glück ist da keine verklärende Romantik, sondern eine nüchterne Unaufgeregtheit der Hauptakteure, die ab und zu durch überraschende und zugleich witzig banale Ereignisse im Dorf belebt wird. Sieben Tage erlebt der Erzähler mit Felice, das gibt 7 Kapitel, dann folgt das Kapitel mit dem Ende. Eine wunderbare Lektüre für die Abende einer ganzen Woche war das für mich und wird es vielleicht und hoffentlich noch für viele andere werden.

Fabio Andina, Tage mit Felice, Rotpuntverlag Zürich, 2020, Fr. 28.-

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Bücher zur alpinen Kultur

Ausgewählte Bücher und Fotografien aus dem ehemaligen negozi und der gallaria-ilanz sowie aus der Alpin-Bibliothek von Robert Kruker sind auf der Homepage von negozi Ilanz http://www.negozi-ilanz.ch aufgeführt und können online bestellt werden (robert.kruker@alpincultur.ch).

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Der alte Fussweg Dardin-Breil/Brigels

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Fridolin Walcher „Des Gletschers Kern“

Fridolin Walcher war 2018 in Grönland, eingeladen als Künstler an einer Expedition von Forschern  teilzunehmen. In Grönland, wo das Eis sechsmal schneller als die Gletscher der Schweiz schmilzt, machte Fridolin eindrückliche Aufnahmen.

Unter dem Titel „Des Gletschers Kern“ erscheint im Dezember 2019 ein Buch seinen Fotos und Kaltnadel-Radierungen von Manfred Stützle.

Fridolin Walcher stellte vom 8. Juli bis 28. Oktober 2017 in gallaria und negozi Ilanz aus.

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Ausbau der Strassen in den Bergen

Talstrasse alt und neu

Der Wochenkommentar 31/2018 von Matthias Zehnder „Für eine Stadt mit menschlichem Mass“ in dem der Autor sich an der „Velostadt“ Kopenhagen freut und mit der Autoeuphorie von Basel vergleicht, ist Anlass zum Nachdenken über den Autorstrassenausbau im Berggebiet.
Was in der Stadt zu beobachten ist, gilt ebenso für ländliche Gebiete, gemäss meinen Erfahrungen vor allem auch im Berggebiet. Die hier zirkulierenden Autos scheinen grösserer und bulliger zu werden, gleichzeitig werden Strassen in fast jedes Tal und und durch die Bergdörfer verbreitert, Sommerzeit ist Strassenausbauzeit. Das Hauptargument dafür heisst „mehr Sicherheit“. Vorausschauendes und vorsichitges Fahren am Berg ist dann nicht mehr nötig. Die breiten Strassen verlocken zu hohem Tempo am Berg. Velostreifen gibt es kaum. Langsamverkehr-Fahrer/innen sollen sich E-Trekking- oder E-Mountainbikes zulegen und auf Wanderwegen fahren, wo sie dann ab und zu die Fussgänger/innen ärgern.

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«Auf der Suche nach dem verlorenen Schnee»

Der Bündner Autor Leo Tour präsentiert am Samstag, 9. April um 16 Uhr, in der gallaria in der Altstadt Ilanz, sein neues Buch. Es trägt den Titel «Auf der Suche nach dem verlorenen Schnee».

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Gotthard: Zur Zukunft des Alpentransitverkehrs

Am 28. Februar 2016 ist die Volksabstimmung zur Sanierung des Gotthard-Strassentunnels. Im Januar 2015 reichte der Verein „Nein zur zweiten Gotthardröhre“ das Referendum gegen das Bundesgesetz über den Transitverkehr im Alpengebiet ein, das erlaubt, ein zweite Tunneröhre durch den Gotthard zu bauen. Das Gesetz sieht vor, die Kapazität für den Auto- und Lastwagenverkehr auf der Strasse nicht zu erhöhen. Die Organisationen, die das Referendum ergriffen haben, vertrauen diesem Gesetzses-Passus nicht. Gemäss der Alpen-Initiative ist „Ein 2. Strassentunnel verfassungswidrig und untergräbt auch den Alpenschutz mehrfach.“ Gotthardtunnelsanierung; Gotthardröhre; Bundesgesetz Strassentransit Alpen

 

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Surselva: Aufbruch im Dorf

Das Oktober-2014-Themenheft der Zeitschrift Hochparterre ist der Surselva gewidmet. Es handelt von Aufbrüchen in Dörfern und in der Landschaft im Vorderrheintal.

Unter dem Motto Dorflandschaften stellt Ludmila Seifert zuerst den neuen Stammtisch vor, das „Gasthaus am Brunnen“,  von Gion A. Caminada gestaltet und von Elvira und Matthias Althof-Solèr bewirtet. Ein wunderbares Haus, das seit Juli 2014 offen steht. Das Labor der Dorferweckung ist einer der Beiträge von Köbi Gantenbein. Da ist die Rede von Pablo Horvàths Brunnen, der aus der Friedhofmauer von Sumvitg wächst, von der für den sanften Tourismus eingerichteten Alp Glivers, von der „wiedergefundenen“ gepflästerten und von restaurierten Trockenmauern gesäumten Via dil Crucifix, der alten Verbindung zwischen Surrein und Sumvitg. Als weitere Werke des Aufbruchs gelten die neue Wirtschaft „Steila“ in Siat (Architekt Gion A. Caminada), das preisgekrönte „Cinema sil Plaz“ in Ilanz oder di „Casa Dulezi“, eine von der Architektin Marlen Gujan und Conrad Pally (Curaglia) zum Wohnhaus umgestaltete Klosterscheune.

Im Heft zum „Dorflabor Surselva“ zeigt Peter Egloff quasi als Gedächtnislandschaften die neun Museen zwischen Sedrun und Flims. Der Beitrag zu den Landwirtschaftslandschaften von Marco Guetg handelt von einer dramatisch veränderten Agrikultur und von Mentalitäten, die weiterhin bäuerlich geprägt sind. In der Theorielandschaft des Architekten fasst Köbi Gantenbein Thesen von Gion A. Caminada zusammen, u.a. zur Eigenart regionaler Architekturen, zum Gewicht der Sinnlichkeit und zum Projekt Parc Adula. In der Surselva unverzichtbar ist die Sakrallandschaft. Julian Reich überrascht einerseits mit der Vorstellung der Kirche von Waltensburg mit den berühmten Bildern des Waltensburger Meisters und andererseits mit Ogna, der monumentalen begehbaren Plastik nach Entwurf und Vermächtnis des aus Trun stammenden, 2008 verstorbenen Künstlers Matias Spescha. Eine Plastik wie eine moderne Kirche ohne Dach, aber mit einer aussergewöhnlichen Akustik und dem „Blick ins Leere“. Einheimische reden vom „Betonwunder“.

Nicht fehlen darf die Fremdenverkehrslandschaft. Köbi Gantenbein schreibt zum Schluss des Heftes über Wahrzeichen in Landschaft und Architektur von Flims/Laax/Falera. Als Perle zeigt er einStück Tiefbau, den von Jürg Conzett gestalteten Flimser Weg „Trutg dil Flem“.

Das Heft ist beim shop.hochparterre.ch bestelltbar. Es kann auch im negozi-ilanz www.negozi-ilanz.ch an der Städtlistrasse 15 in Ilanz gekauft werden.

 

http://www.surselva.info/index.php?id=14991#.VBrljxaOPPU

http://www.hochparterre.ch/publikationen/themenhefte/shop/artikel/detail/surselva-aufbruch-im-dorf/

 

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Andermatt, wie es mit dem Alpine Resort weitergeht

Andermatt: Links zu „Wie es weitergeht“:

– http://andermatt-resort.blogspot.ch

– http://www.gigantismus-andermatt.ch/index.php?option=com_content&view=category&id=7&layout=blog&Itemid=17

Zu den Aussichten 2014:

– http://www.nzz.ch/schweiz/ein-weiterer-meilenstein-fuer-sawiris-1.18336125

– http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/Sawiris-hat-offiziell-erst-94-Wohnungen-verkauft/story/30900239

Studie der Urner Kantonalbank zur Entwicklung Urserntal und Andermatt 2005-2015:

-https://www.ukb.ch/fileadmin/dateien/bank/dokumente/UKB_Bericht_Urserntal_low.pdf

 

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Brasilien – Land der Gegenwart

Wenn es in den Alpen kalt und grau ist… und um einmal in anderen Dimensionen zu denken:

Soeben ist im Rotpunktverlag erschienen: Brasilien  – Land der Gegenwart von Verena Meier.

 

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